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Die Tafel "Altes Zechenhaus" ist eine Station auf dem  Themenwanderweg "Oberer Berggraben". Dieser wurde vom "Thüringerwald Verein" initiiert.

Der Wanderweg führt vom Amtshaus nach Stützerbach und folgt größtenteils dem historischen "Oberen Bergraben". Dieser wurde 1688-1691  als Kunstgraben für den Bergbau gebaut. Das Wasser floss vom mittleren Freibachteich, teilweise unterirdisch (Rösche), in die Pfaffenteiche bei Roda. 

Man kann die Anfänge des Ilmenauer Erzbergbaus nach schriftlichen Zeugnissen bis 1444 zurückverfolgen. Es ist anzunehmen, dass der Beginn schon viel früher war, aber dafür gibt es leider keine Beweise. Es wurde Kupferschiefer abgebaut, dieser trat auf der Sturmheide zu Tage, so dass man in den frühen Jahren die Förderung mit verhältnismäßig geringem Aufwand betreiben konnte. Aus den geförderten Gestein konnte man Kupfer und in geringen Maße auch Silber gewinnen. Die erste Zeitspanne des Bergbaus auf der Sturmheide und in Ilmenau Roda dauerte bis 1625. In den letzten Jahrzehnten dieser Periode wurde das Erz schon mit großen Aufwand gefördert. Kunstzeuge pumpten das Grundwasser ab. Ihr Antrieb waren Wasserräder, die über Kunstgräben mit Aufschlagwasser versorgt wurden. Der 30jährige Krieg verhinderte dann eine weitere Kapitalbeschaffung und so kam der Bergbau zum erliegen. 

1684 erhielt Herr von Uttrodt das Bergbaurecht. Jetzt begann eine Epoche mit großer Bautätigkeit. Die Berggräben und der Martinröder Stollen schufen ein System, mit dem man dem eintretenden Grundwasser Herr werden konnte. Aber man machte Schulden über Schulden. 1691 wurde das Ilmenauer Bergamt gegründet, das seinen Sitz im Rathaus hatte. Bleisch schreibt zu dieser Zeit: "Damals herrschte in Ilmenau ein reges Leben, zumal auch viele Fremde anlangten, um die Bergwerksanstalten in Augenschein zu nehmen." 

Doch die Schulden waren erdrückend und so sicherte man den Hauptgläubiger das gesamte geförderte Kupfer zum Festpreis zu, was die Lage noch verschlimmerte. In dieser Zeit wurde 1730 das Zechenhaus als Verwaltungsgebäude gebaut. Es enthielt eine Betstube für die Bergleute und nach Bleisch sollen hier auch die Löhne gezahlt worden sein. Nach dem Dammbruch des Freibachteiches 1739 wurden die Gruben und technischen Einrichtungen  durch das unkontrolliert einströmendes Wasser stark beschädigt, so dass man sie danach dem Verfall preisgab.

Das Zechenhaus wurde beim großen Stadtbrand 1752 verschont. Es konnte, als
Herzog Karl August 1776 an eine Wiederaufnahme des Bergbaus dachte, genutzt werden.
1784 tat Goethe, als Beauftragter des Weimarer Herzog für den Ilmenauer Bergbau, den ersten Hieb zum Aushub des "Neuen Johannesschachtes" und hielt die Festrede. 

Das war der Beginn der dritten Periode. Davor hatte sich Goethe mit den Schulden der Vergangenheit und der Geldbeschaffung für die Zukunft zu beschäftigen. Bergsekretär unter Goethe war Bergrat Voigt, der 1789 seinen ständigen Wohnsitz nach Ilmenau verlegte. Die Entwässerung des Johanneschachtes erfolgte mit 4 Kunsträder im Schacht, die ihr Aufschlagwasser aus dem mittleren Bergraben erhielten. Dieses und das hochgepumpte Grundwasser wurden durch den Martinröder Stollen abgeleitet. Das war eine große technische Leistung. Als es 1796 einen Einbruch im Martinröder Stollen gab und das Wasser nicht mehr abfliesen konnte, bedeutet das die Einstellung der Förderung im "Neuen Johannesschacht". Die Anteilseigner wollten kein weiteres Geld zuschießen, denn die ersten Schmelzversuche hatten keine oder nur geringen Kupferausbeute ergeben. Bis auf kleinere Versuche ohne Erfolg, bedeutete es das Ende für den Bergbau in Ilmenau.

 


verwendete und empfohlene Literatur

J. C. W. Voigt
Geschichte des Ilmenauer Bergbaus 1821

P. Bleisch
Bilder aus Ilmenaus Vergangenheit
1910

Otfried Wagenbreth
Goethe und der
Ilmenauer Bergbau
1983

Autorenkollektiv
Ilmenau Bilder zur Geschichte einer Stadt 1998

 

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